
Im Nachhaltigkeitscampus bildet Fischer zusammen mit BeGaMo innerhalb von drei Monaten Nachhaltigkeitsmanager aus, die dann in ihrem Unternehmen für gute und harmonisierte Nachhaltigkeitsstrukturen und -prozesse sorgen können. – Bild: Fischerwerke GmbH & Co. KG 
Christian Ziegler, Bereichsleiter für Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie bei Fischer: „Wir alle sollten uns als Unternehmen alle unserer ökologischen, sozialen und ökonomischen Verantwortung bewusst sein.“ – Bild: Fischerwerke GmbH & Co. KG
Für viele Unternehmen ist Nachhaltigkeit immer noch ein Kostenfaktor. Warum ist das Thema für Fischer so wichtig?
Ziegler: Nachhaltigkeit bedeutet für Fischer die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Als produzierendes Unternehmen sind wir uns unserer Verantwortung bewusst. Nachhaltiges unternehmerisches Handeln ist verantwortungsvolles Handeln, das den langfristigen ökonomischen Erfolg in Einklang mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit anstrebt. Zudem ist das Thema Nachhaltigkeit für uns ein echter Wettbewerbsvorteil. Dank einer umweltverträglichen und ressourcenschonenden Herstellung können wir als produzierendes Unternehmen mit nachhaltigen Verbesserungen gleichzeitig Kosten einsparen. Ein Beispiel dafür ist die Fischer Nagelschraube. Wir haben den Schaft verjüngt, die Geometrie etwas angepasst und die Spitze weggelassen, die keinerlei Funktion hat. Dank dieser Feinjustierungen brauchen wir ca. 10 Prozent weniger Material je Schraube – bei gleicher Funktionalität.
Außerdem sehen sich Unternehmen mittlerweile einer Vielzahl an Anforderungen gegenübergestellt, die Richtlinien der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), oder des EU-Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes. Da wir schon seit 2015 professionelle Strukturen im Bereich Nachhaltigkeit aufgebaut haben, können wir nun recht schnell auf Anforderungen reagieren. Auch das spart am Ende Kosten.
Können Sie aktuelle Beispiele aus Ihrem Nachhaltigkeitsmanagement nennen?
Ziegler: Die konkrete Umsetzung von Nachhaltigkeitsaktivitäten erfolgt meist direkt in den jeweiligen Unternehmensbereichen. Das Nachhaltigkeitsmanagement übernimmt die Steuerung und Koordination übergreifend im Sinne der Nachhaltigkeitsstrategie. An unserem Standort in Tumlingen betreiben wir zwei Photovoltaik-Anlagen und ein Blockheizkraftwerk. So erreichen wir hier eine Energieautarkie von rund 26 Prozent. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit, zur Energiewende und zur Standortsicherung. Den Anteil eigenerzeugter Energie erhöhen wir kontinuierlich – auch an unseren Produktionsstandorten weltweit. Nachhaltigkeit spielt in unserer Produktion, aber auch bei der Erhöhung der Ressourceneffizienz eine entscheidende Rolle. Aus ökonomischen und aus ökologischen Gründen ist die Rückführung von Materialien von großer Bedeutung. Zum Beispiel werden nahezu 100 Prozent der bei der Produktion unserer Kunststoffdübel anfallenden Abfälle intern und extern wiederverwertet. Solche Beispiele nachhaltiger Verbesserungen sind überall im Unternehmen zu finden, sowohl in operativen als auch in administrativen Bereichen.
Inwieweit spielt Nachhaltigkeit bei Ihren Produkten und Lösungen eine Rolle?
Ziegler: Bei der Betrachtung unseres Corporate Carbon Footprints lässt sich schnell erkennen, dass etwa 75 Prozent unserer Emissionen von den eingesetzten Produktions- und Verbrauchsmaterialien verursacht werden. Dadurch sind insbesondere auch innovative Produktentwicklung, der Einsatz effizienter Technologien und Prozessoptimierung von großer Bedeutung. Unser fischerProzessSystem (fPS) sorgt mit seinen definierten Abläufen seit jeher in unserer Herstellung und allen unseren Unternehmensprozessen für eine hohe sowie ressourcen- und energieeffiziente Prozessqualität. Nachhaltigkeit wirkt sich zunehmend auch auf das Konsumverhalten unserer Kunden aus. Wir bei Fischer versuchen, unsere Produkte nah an Kunden und Märkten zu entwickeln und zu fertigen.
Unsere Produkte zeichnen sich seit jeher durch einen hohen Innovationsgrad, hohe Qualität und Anwenderfreundlichkeit aus. Zudem versuchen wir kontinuierlich diese auch im Sinne der Nachhaltigkeit weiter zu verbessern. Auch die Langlebigkeit unserer Produkte trägt dazu wesentlich bei. So bieten wir zum Beispiel mit unserem GreenLine-Sortiment Produkte an, die aus mindestens 50 Prozent biobasierten Rohstoffen hergestellt werden. Diese Produktlinie ist dabei genauso leistungsstark und langlebig wie vergleichbare konventionelle Produkte. Ein weiteres Ziel ist es aber auch, die Gefahren für Verarbeiter, Gebäudenutzer und Umwelt, die von einzelnen Produkten ausgehen können, gering zu halten. So ist es unserem Unternehmen erstmals gelungen, in einem radikalischen Injektionsmörtel auf den bislang essenziellen, allerdings als „giftig für Wasserorganismen“ geltenden Rohstoff Dibenzoylperoxid zu verzichten und mit dieser Innovation ein patentiertes System, vollkommen ohne Gefahrstoffkennzeichnung, hervorzubringen. Diese Innovation ist seit September 2021 unter dem Produktnamen FIS V Zero im Markt verfügbar. Die Verpackung dieses Universalmörtels wurde nun so optimiert, dass sie aus mehr als 50 Prozent Post-Consumer Rezyklaten (PCR), also aus Kunststoffabfällen von Endverbrauchern, besteht.
Aber auch bei den Anwendungsbereichen achten wir auf Nachhaltigkeit. So bieten wir Befestigungslösungen für Wärmedämmverbundsysteme (WDVS). Unser TermoZ CS II Dübel trägt etwa gemeinsam mit dem WDVS dazu bei, Gebäude nachhaltiger zu machen. Und unser Abstandsmontagesystem Thermax ermöglicht zusätzlich nahezu wärmebrückenfreie Befestigungen durch WDVS hindurch im Traggrund. Darüber hinaus bieten wir ein breites Programm an Dämmstoffdübeln an.
Wie können ihre Kunden sowie Maschinen- und Anlagenbauer von Ihren Erfahrungen und Konzepten profitieren?
Ziegler: Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung sind wir im Thema Nachhaltigkeit bereits sehr gut aufgestellt. Das bestätigen uns auch zahlreiche Benchmarks, wie beispielsweise die Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises in der Kategorie ‚Großunternehmen‘ im Jahr 2020. Wir sind der Meinung, dass die aktuellen großen Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden können. Ganz im Sinne des SDG 17 ‚Partnerschaften zur Erreichung der Ziele‘, möchten wir deshalb andere Unternehmen von unseren Erfahrungen profitieren lassen und diese aktiv weitergeben. Mit dieser Absicht haben wir den Nachhaltigkeitscampus gegründet. Wir bilden hier innerhalb von drei Monaten gemeinsam mit unserem Partner Begamo zukünftige Nachhaltigkeitsmanager aus, die dann in ihrem Unternehmen für gute und harmonisierte Nachhaltigkeitsstrukturen und -prozesse sorgen können.
Was ist das Ziel der Kooperation mit BeGaMo?
Ziegler: Mit der gebündelten Kompetenz von Fischer und BeGaMo wollen wir andere Unternehmen dazu zu befähigen, sich eigenständig und ganzheitlich nachhaltig aufzustellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit dadurch langfristig zu stärken. Mit einem ganzheitlichen Ansatz, erprobten Methoden, innovativer und weltweit zertifizierter Nachhaltigkeitssoftware bietet die Kombination aus unserer Praxiserfahrung und dem Sustainability Konzept von BeGaMo eine Lösung, um Nachhaltigkeitsberichterstattung und -implementierung effizient, mit bestehendem Personal und überschaubarem Aufwand durchzuführen.
Warum sollten sich auch KMUs mit dem Thema Nachhaltigkeit befassen?
Ziegler: Das Thema Nachhaltigkeit ist wie schon erwähnt mittlerweile keine Modeerscheinung mehr. In vielen Bereichen müssen auch KMUs eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, den Status Quo abbilden, darauf aufbauend ihre Leistung verbessern und darüber berichten. Dies auch allein schon, wenn sie Teil der Lieferkette von anderen Unternehmen sind. Wenn man damit gerade erst beginnt, dann können diese vielfältigen Anforderungen zu einer Mammutaufgabe werden. Ein weiterer Grund ist, dass wir alle uns als Unternehmen unserer ökologischen, sozialen und ökonomischen Verantwortung bewusst sein sollten, um aktuell und zukünftige globale Herausforderungen zu lösen.
Wie sollten sie das Thema am besten angehen?
Ziegler: Am besten mit einer Ausbildung in unserem Nachhaltigkeitscampus. Zudem ist es essenziell, dass die Nachhaltigkeitsstrategie individuell auf das Unternehmen und seine Gegebenheiten ausgerichtet ist und alle relevanten Bereiche sowie auch externe Stakeholder in den Prozess eingebunden werden. Letztendlich kann es allerdings kein finales Nachhaltigkeitsziel geben. Es gilt das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung und die Devise „Der Weg ist das Ziel“.


















